Web 2.0 als Kapitalakkumulation

27. August 2009 – 15:59

Die aktuelle ak widmet sich in mehrerern Artikeln dem Web 2.0. Im wesentlichen schwelgt sie in einem entschiedenem einerseits und andererseits.

Einerseits als Mittel, soziale Bewegungen zu puschen: “Die sozialen Medien sind das Radio, von dem Brecht immer geträumt hat. “Andererseits ein diffuses Raunen über allerlei Transformationsprozesse.

Na ja, jedenfalls fiel mir zu dem Thema der buko28 ein. Hier ging es um die Wackeligkeit Rosa Luxemburgs These, dass der Kapitalismus irgendwann mal alles kapitalisiert hat und dann nichts mehr geht und überhaupt “die objektive geschichtliche Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus.” Es wurden auf dem Kongress allerlei Erscheinungen aufgehäuft, wie es dem Kapitalismus immer wieder gelingt neue Teile der Welt zu kapitalisieren, etwa Wasser oder Gene.

Jetzt bedenke ich mir so ein Teil wie Facebook. Wikipedia sagt im August 2009 zur wirtschaftlichen Lage:

Facebook hat nach der Gründung im Jahr 2004 in mehreren Runden mindestens eine halbe Milliarde Dollar Kapital zur Finanzierung erhalten.  Mittlerweile erzielt das Unternehmen zwar einen geschätzten Umsatz zwischen 150 und 300 Millionen Dollar pro Jahr, arbeitet aber angesichts hoher Kosten für die Expansion nicht profitabel. Ein tragfähiges Geschäftsmodell hat das Unternehmen trotz seiner großen Nutzerbasis noch nicht entwickelt, es experimentiert mit verschiedenen Formen von Werbung. Der geschätzte Marktwert wird sehr unterschiedlich zwischen 2 und 15 Milliarden Dollar bewertet. 

Für mich sieht es so aus, als ob das Kapital versucht, das Wissen um das soziale Netz, das die Nutzer bei Facebook gesponnen haben, zu kapitalisieren. Einfach mal wieder eine Ecke wo der Kapitalismus “seinem objektiv notwendigen Untergang” ein Schnippchen schlägt.

Aber im Gegensatz zu Wasser oder Genomen, wo es schon gruselig ist, wenn die zu Kapital werden, ist der Versuch ein paar Millionen Nutzerprofile und deren Vernetzung zu Geld zu machen nicht ungewöhnlicher als andere Geschäftsideen. Und überhaupt sitzt die Nerdcommunity, die ihre Blogs selber hostet, schon in den Startlöchern, um auch studiVZ & Co dezentral zu veranstalten. Etwa mit jomsocial stehen die Werkzeuge bereit.

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