Quantenkommunikation?

28. August 2014 – 21:16

Ich habe mir einen Film von Pierre Franckh – “Das Gesetz der Resonanz” angesehen und als Physiker und an Kommunikation Interessierter ein paar Anmerkungen gemacht:

1. Wenn ich über die Möglichkeit der Verbindung zwischen Menschen räsoniere, begeistere ich mich für Hirnforschung und Biologie, für Spiegelneuronen und Neurotransmitter. Ich lese Autoren wie etwa Joachim Bauer oder Gerald Hüther. Ich finde Kontroversen um ihre Thesen, aber ich finde keine Hinweise darauf, das es sich um Scharlatane oder Menschen handelt, die sich in etwas verannt haben, das kein anderer nachvollziehen kann.
Ich interessiere mich für Religion und Kommunikation. Ich begeistere mich für Willigis Jäger, einen Mensch, der fernöstliche und westliche Weisheit fusioniert und neuerdings für Walter Wink und sein “Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit.

2. Der Film hat mich nicht angesprochen. Seine Machart kam mir wie HomeShoppingTV vor. Der Ansatz, persönliche Probleme durch “Wünschen” zu lösen, geht nicht in die Richtung, die mich interessiert. Ich finde ja “Die Kunst des negativen Denkens” viel härter, wärmer und menschlicher.

Was mich als Physiker schon interessiert, ist die Frage des Materie Beeinflussens durch Gedanken. An der Stelle bin ich dankbar, dass ich mich mal ausführlicher mit dem Raunen um Quantenphysik und Kommunikation beschäftigen konnte.

3. In diesem Sinne konnte ich mich mit dem Film allerdings nicht anfreunden, dafür gab es für mich zu viele Ungereimtheiten:

  • Der Film beginnt mit einer falschen Erklärung von Resonanz. Es wurde immer das Bild von sich überlagernden Wasserwellen gezeigt, das hat relativ wenig mit Resonanz zu tun. Resonanz tritt auf, wenn einem schwingungsfähigen System periodisch Energie zugeführt wird und dieses System stark zu schwingen beginnt, wenn die richtige Frequenz getroffen wird. Es ist anzunehmen, dass die im Film propagierten Felder komplexer Natur sind und mit unterschiedlichen Frequenzen gleichzeitig schwingen. Wie diese Felder aussehen und wie der Empfänger, das wurde nicht erklärt. Resonanz, wie sie in der Redewendung von “Auf derselben Wellenlänge liegen” vorkommt, mag eine sinnvolle Metapher sein. Der Zusammenhang von physikalisch gemeinter Resonanz und Kommunikation wurde für mich nicht schlüssig erklärt.
  • Das Herz hat ein größeres elektromagnetisches Feld als das Gehirn. Na und. Vielleicht liegt es daran, dass das Herz ein Muskel ist, dessen steuernde Neuronen im Herzen selbst liegen und Muskelzellen durch elektrische Impulse gesteuert werden. Nichtsdestotrotz finde ich es spannend, wie viele Nervenzentren neuerdings im Bauchraum und im Herz gefunden wurden, wie das Gehirn nicht die alleinige “Schaltzentrale” ist.
  • Als Beleg für die heilende Wirkung von Gedanken wurde eine ehemals blutkrebskranke Frau gezeigt, die meint, sie habe sich durch eine positive Einstellung geheilt. Das scheint mir arg plakativ. Bärbel Mohr, die auch im Film vorkommt und sehr viele Bücher übers Wünschen geschrieben hat, ist 2010 an Krebs gestorben. Natürlich sind Zusammenhänge zwischen innerer Haltung und organischer Krankheit gut belegt. Aber das hat für mich nichts mit Beeinflussung der Materie durch Gedanken zu tun.
  • Es gab mehrfach folgende Logik: Es gibt ein Experiment auf molekularer Ebene oder sogar Quantenebene. Und deshalb ist es beim System Mensch, dass viel größer und komplexer ist genauso. Vielleicht stimmen die Experimente über DNA und Photonen (wobei ich nicht weiß, was Photonen in einem Gefäß sind). Aber was bedeutet das für den Gesamtorganismus.

4. Das Personal im Film ist für mich nicht immer vertrauenswürdig. Was bedeutet es, wenn einer Bestsellerautor ist. Viele der Auftretenden haben es zu PSIRAM geschafft. Ja, die Seite ist auch wieder sehr tendenziös und polemisch. Sie macht alles falsch, was an der Skeptikerbewegung kritisiert wird. Aber für eine zweite Meinung ist sie allemal gut. Häufig machen die Leute Experimente, deren Ergebnisse kein anderer wiederholen kann oder haben wie Emoto Titel von Titelmühlen.

Die einzigen Ausnahmen scheinen mir Hans Peter Dürr und Rupert Sheldrake. Dass was Hans Peter Dürr gesagt hat, hat kaum etwas mit der Grundthese des Filmes zu tun, sondern nur etwas mit Physik. Es gibt auf Quantenebene keine Festkörper mehr. Na und. Wenn ein paar Tausend Atome zusammengepackt werden, dann nehmen die Quanteneffekte ab und die Gesetze der klassischen Physik gelten. Festkörper zu sein, ist halt eine Eigenschaft von großen Klumpen von Atomen. Menschen sind solche Klumpen. Rupert Sheldrake postuliert Morphische Felder. Als Biologe legt er sich aber nicht fest, wie die funktionieren. Wer Langeweile hat, kann ja mal seine Telepathieexperimente nachvollziehen.

So das reicht jetzt. Ich schreibe jetzt nicht noch einen Essay zur Kritik des Positiven Denkens.

An die Möglichkeit der Verbindung alles Lebenden glaubend auch ohne Quantenfeldresonanzschwingung.

  1. 2 Responses to “Quantenkommunikation?”

  2. Hallo Bernd,
    habe eben mal reingeschaut in den Film – ist schon ganz schön new-age-folkloristisch und wahrheit-verkündend – wobei ich einräume, dass ich nur die ersten 10 Minuten gesehen habe bis jetzt. Nichtsdestotrotz begegnet mir dieses Thema in der letzten Zeit immer häufiger – vor ein paar Jahren, klopfte es zaghaft und schüchtern an, jetzt bricht es regelmäßig durch die Tür und nimmt mein Haus in Beschlag. Ist wahrscheinlich normal, wenn mann Ü 40 ist und immer noch auf der Suche :-)
    Kannst du ein Buch über Quantenphysik empfehlen, dass für Laien halbwegs verständlich ist und dennoch nicht mit ungedeckten Schecks hantiert?
    Feinstoffliche Grüße aus Trotha

    By André on Aug 30, 2014

  3. Genau so.
    Ich hätte den Film nicht so ausführlich analysiert, wenn er nicht einen Menschen inspirieren würde, der mir wichtig ist. Ein Kollege interessiert sich für Perpetuum mobiles (neuerdings Geräte, die Freie Energie aufsammeln), eine andere trinkt Chlorbleiche. Eine gute Freundin haben wir an den Sumpf aus Quantenheilung und bevorstehenden spirituellen Wandel verloren.

    By KurtMelnik on Aug 30, 2014

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