Gerechtigkeit und Meditation

6. Mai 2014 – 17:53

Letztens lief mir so ein Video über den Weg:

Das heißt also der eine Affe ist sauer, wenn er Gurke bekommt, obwohl der andere für dieselbe Leistung Weinbeeren bekommt. Sieht für mich aus wie Gerechtigkeitsempfinden.

Gut vorstellbar, dass diese Anlage auch bei Menschen fest verdrahtet ist. Und wenn sie Ungerechtigkeit erleben, dann leiden sie. Zwei klassische Gegenmittel fallen mir ein:

  • Religion: Ein Glaubenssystem, dass Hierarchien und Ungleichheit als natürlich postuliert. Und zwar eben nicht nur die klassischen monotheistischen Religionen mit einem Boss an der Spitze, sondern auch sowas wie Benjamins “Kapitalismus als Religion” und jedes Glaubenssatzsystem, in dem “Muss ja,” oder “Da kann man nichts machen,” drin vorkommt.
  • Revolution/Reform: Losgehen und das System ändern, den Bauch voll Wut, das Auge blind vom Hass.

Und wie ist das jetzt mit denen, die sich buddhistisch das Leiden wegmeditieren, dieses Leiden, das eh nur ein Gedankenfurz ist. Ich würde mal meinen, das Streben nach Gerechtigkeit lässt sich genauso wenig wegmeditieren wie die Notwendigkeit zu Atmen oder zu Essen. Was aber erreicht werden kann ist Gelassenheit, Weisheit, Ataraxie. Und derjenige, der sich bei vollem Bewusstsein zu seinen Bedürfnissen bekennt, sich aber eben nicht von seinen unreflektierten Affekten oder Gedankengebäuden hinwegreißen lässt, der ist nicht mehr gezwungen am Gitter zu rütteln oder die Gurken nach der Frau vor dem Käfig zu schmeißen – der kann sich was Schlaueres ausdenken (oder es auch bleibenlassen).

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