DIE WELT erklärt die Welt

20. August 2013 – 8:19

In einem Kommentar über Jeff Bezos und die Washington Post:

Der neue “Post”-Eigentümer Jeff Bezos fasst in Worte, was schon die Triebkraft der industriellen Revolution gewesen ist. Die Menschen wollten damals Kunden werden statt Almosenempfänger. Heute wollen die Kunden Teilhaber werden, sie wollen Souveränität und Selbstbestimmung.

Ach hat sich olle Marx schon wieder geirrt, wie er sich das so dachte im Kapital mit der ursprünglichen Akkumulation:

Die durch Auflösung der feudalen Gefolgschaften und durch stoßweise, gewaltsame Expropriation von Grund und Boden Verjagten, dies vogelfreie Proletariat konnte unmöglich ebenso rasch von der aufkommenden Manufaktur absorbiert werden, als es auf die Welt gesetzt ward. Andrerseits konnten die plötzlich aus ihrer gewohnten Lebensbahn Herausgeschleuderten sich nicht ebenso plötzlich in die Disziplin des neuen Zustandes finden. Sie verwandelten sich massenhaft in Bettler, Räuber, Vagabunden, zum Teil aus Neigung, in den meisten Fällen durch den Zwang der Umstände. Ende des 15. und während des ganzen 16. Jahrhunderts daher in ganz Westeuropa eine Blutgesetzgebung wider Vagabundage. [...]

Heinrich VIII., 1530: Alte und arbeitsunfähige Bettler erhalten eine Bettellizenz. Dagegen Auspeitschung und Einsperrung für handfeste Vagabunden. Sie sollen an einen Karren hinten angebunden und gegeißelt werden, bis das Blut von ihrem Körper strömt, dann einen Eid schwören, zu ihrem Geburtsplatz oder dorthin, wo sie die letzten drei Jahre gewohnt, zurückzukehren und “sich an die Arbeit zu setzen” (to put himself to labour). Welche grausame Ironie! [...] Bei zweiter Ertappung auf Vagabundage soll die Auspeitschung wiederholt und das halbe Ohr abgeschnitten, bei drittem Rückfall aber der Betroffne als schwerer Verbrecher und Feind des Gemeinwesens hingerichtet werden.

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