Josef Mitterer

18. Juni 2013 – 8:01

Wenn dann alle Prüfungen gelaufen sind und ich nicht mehr auf Plato und Co. festgelegt bin reizt mich Josef Mitterer:

“Wir reden über Dinge.” – Einmal im Ernst: Wer würde diese Aussage ernsthaft bestreiten? Was könnte an diesem Satz anzuzweifeln sein? Welche Alternativen gibt es denn zu diesem scheinbar so klaren Basiskonsens unseres Redens und Denkens? Josef Mitterer sagt nun nicht, dass dieser Satz nicht stimme oder falsch sei, er entlarvt vielmehr lediglich, welche Folgen dieser Basiskonsens unseres Denkens für unsere Fragestellungen und Problemlösungsvorschläge hat. Und spätestens hier macht Mitterer tabula rasa, entzieht er uns den Boden unter den Füßen unseres gesicherten Argumentierens. Doch alles der Reihe nach: Der Satz “Wir reden über Dinge” enthält zumindest zwei Annahmen, die Mitterer als stillschweigende Voraussetzungen der abendländischen Philosophie outet:

1. Es ‘gibt’ eine nicht hintergehbare Unterscheidung zwischen dem Reden über Dinge und den Dingen, über die geredet wird, also: zwischen Sprache und Welt, zwischen Beschreibung und Objekt.

2. Unser Reden, unsere Sprache, unsere Beschreibungen sind auf Objekte gerichtet, unser Denken ist durch einen immerwährenden Objekt- und Weltbezug gekennzeichnet. Es scheint einfach nicht anders zu gehen.

Der Typ guckt sich also ziemlich genau unser allerweltsdualistisches Denken an und findet, dass es da einiges zu hinterfragen gibt. Aber eben nicht so wie die Sitzkissenfraktion, die es schon immer gewusst hat und die sich auf alten asiatischen oder neumystischen Kram bezieht.

Er steht damit in einer Reihe mit Josef Elstermann, der ein Buch über andine Philosophie geschrieben hat, der damit eine Denktradition untersucht, die auch jenseits des dualistischen Denkens und des heiligen tertium non datur funktioniert:

Die „Klassifizierungsmanie“ (Panikkar) des abendländischen Geistes trachtet danach, überall Dichotomien und ‘universale’ Gegensätze herauszustellen: Zwischen dem ‘Reinen’ und ‘Unreinen’, dem ‘Geistigen’ und ‘Materiellen’, dem ‘Wissenschaftlichen’ und ‘Außer-Wissenschaftlichen’, dem ‘Theologischen’ und ‘Philosophischen’, zwischen Mythos und Logos, Theorie und Praxis, Gott und Welt, dem Inneren und Äußeren usw. Eigentlich drücken solche Unterscheidungen das Principium tertii non datur aus, das heißt die exklusive Logik des Abendlandes.

  1. One Response to “Josef Mitterer”

  2. maybe you like my book “we have never been modern”, “pandora’s hope” or “re-assembling the social”, da gehts genau darum. best bruno from frongraisch

    By Bruno Latour on Jun 18, 2013

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