Schöpferische Muße

11. Oktober 2012 – 11:19

Das Wort „Schule“ stammt im Übrigen vom griechischen σχολή ab, was ursprünglich so viel wie „schöpferische Muße“ bedeutete. Muße ist die Zeit, in der man sich seinen Musen widmen und selbstbestimmt handeln kann. Sie stellte in der Antike den Gegenpol zur fremdbestimmten oder gar Sklavenarbeit dar. Cicero sprach im Zusammenhang mit dem Philosophieren von „Muße mit Würde“. Die Wertigkeit der Muße änderte sich im europäischen Mittelalter: Das vorherrschende Motto hieß „Ora et labora“ (bete und arbeite). Mit dem Protestantismus kam schließlich das Sprichwort „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ auf. Unabhängig von der Konfession hieß es in der Zeit des Absolutismus von Preußen über Bayern bis Österreich: „Bet’ und arbeit’, sei nicht faul, zahl deine Steuern und halt’s Maul!“

So schreibt sogar schon meine brave Gewerkschaftszeitung “Erziehung und Wissenschaft”. Vorbei die Zeiten, in denen Lafargues “Recht auf Faulheit” oder ein kollernder Nitzsche verschüttetes Geheimwissen waren:

“Ihr alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue, Fremde, – ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiß ist Flucht und Wille, sich selber zu vergessen. (…) Aber ihr habt zum Warten nicht Inhalt genug in euch – und selbst zur Faulheit nicht!”

Und Tocotronics Bewegung Gegen den Fleiß von 2005 ist charttaugliche Popmusik

Ich mag die Spiegelung der Luft
Und wenn die Sehnsucht nie verpufft
Den Glanz des Lebens in einem Tag
Ich mag den Zweifel, der an mir nagt
Wenn meine Angst mich schnell verlässt
Ich mag den Tanz, das Idiotenfest
Wenn wir irren, nachts im Kreis
Eine Bewegung gegen den Fleiß

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