Liebesschmerz im Frontallappen

10. Juni 2012 – 19:49

Völlig herzlos und unprosaisch klärt die Hirnforschung den Liebeskummer Adoleszenter:

Der sekundäre Wachstumsschub der Frontallappen beginnt im Alter von 15 und ist erst mit 21 Jahren abgeschlossen. Die wenigen Forschungen zu dieser Entwicklungsphase deuten darauf hin, dass sich je nach der Qualität von Liebes-, Erkenntnis- und Sinngefühlen im unmittelbaren Umfeld des Heranwachsenden in dieser Zeit ganz besondere menschliche Fähigkeiten entwickeln oder nicht entwickeln: Fähigkeiten zur inneren geistigen Integration und Transzendenz aller früheren, vor allem selbstbezogenen Handlungsimpulse; höhere Gefühlsfähigkeiten wie Einsicht, Freundlichkeit, Mitgefühl und Lebenssinn (Pearce 2004). Die bei Adoleszenten intensive Sehnsucht nach Liebe und Lebenssinn scheint ein Ausdruck davon zu sein, dass sich in dieser Phase entscheidende Gefühlsstrukturen ausbilden „wollen“. In gesellschaftlichen Lern- und Lebensumgebungen, die junge Menschen nur mit Intellektanforderungen konfrontieren, geschieht die Entfaltung dieser komplexesten Humanpotentiale nur zufällig und ausnahmsweise. Es gibt mit Computertomographietechnik gemachte Aufnahmen dieser Frontallappen, die auf fast erschreckende Weise zeigen, wie sehr sich die Entwicklung dieser höchsten Hirnbereiche unterscheiden kann. Bei liebevoll und angeregt aufwachsenden Jugendlichen sind sie voll ausgebildet, bei in asozialen oder verschiedensten Notverhältnissen aufwachsenden Jugendlichen sind ganze Areale dieser für menschliches Verhalten wichtigsten Hirnregion inaktiv.

aus Maik Hosang: Freiheit, Notwendigkeit, Liebe

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