Fundstücke

12. Februar 2012 – 19:48

Irgendwann war ich mal weinerlich und grämte mich, ob mir die Finanzkrise wohl meine Ersparnisse rauben würde oder ob ich unter Bedingungen zusammengebrochener Infrastruktur weiterleben müsse. Da lief mir so ein Spruch über den Weg:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.”

Dietrich Bonhoeffer, zum Jahreswechsel 1944/45, wenige Monate vor seiner Ermordung

Und andererseits war es die Rote Armee unter Stalin, die den Deutschen mit/unter Hitler Einhalt gebot und nicht die Weiße Rose oder Stauffenberg.

  1. 2 Responses to “Fundstücke”

  2. Wie die rote Armee hat die Menschenkette erfunden?

    By reaper on Feb 14, 2012

  3. Nein, AK47 & Stalinorgel. Auf der einen Seite bewundere ich die Möglichkeit, auch unter schwierigsten Bedingungen zu glauben, voll Weisheit zu sein, Korczak und so. Auf der anderen Seite der Herr Marcuse:

    Bei allen Einschränkungen, deren eine Hypothese bedarf, die auf einer unabgeschlossenen geschichtlichen Vergangenheit beruht, scheint es, daß die aus dem Aufstand der unterdrückten Klassen erwachsene Gewalt das geschichtliche Kontinuum von Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Stillschweigen für einen kurzen Augenblick durchbrach, kurz aber explosiv genug, um eine Erweiterung des Spielraums von Freiheit und Gerechtigkeit, eine bessere und gleichmäßigere Verteilung von Elend und Unterdrückung in einem Gesellschaftssystem zu erreichen – mit einem Wort: einen Fortschritt der Zivilisation. Die englischen Bürgerkriege, die Französische Revolution, die Chinesische und die Kubanische Revolution können diese Hypothese veranschaulichen. Demgegenüber wurde der eine geschichtliche Wechsel von einem Gesellschaftssystem zum anderen, der den Beginn einer neuen Epoche der Zivilisation markierte, nicht von einer wirksamen Bewegung »von unten« inspiriert und durchgesetzt, nämlich der Zusammenbruch des Römischen Reiches im Westen, der zu einer langen Verfallsperiode führte, die Jahrhunderte währte, bis eine neue, höhere Periode der Zivilisation in der Gewalt der ketzerischen Revolten des dreizehnten Jahrhunderts und in den Bauern- und Arbeiteraufständen des vierzehnten Jahrhunderts entstand.

    Hinsichtlich der geschichtlichen Gewalt, die von den herrschenden Klassen ausging, scheint sich kein derartiges Verhältnis zum Fortschritt nachweisen zu lassen. Die lange Reihe dynastischer und imperialistischer Kriege, die Liquidation von Spartakus in Deutschland im Jahre 1919, der Faschismus und der Nationalsozialismus durchbrachen das Kontinuum der Unterdrückung nicht, sondern festigten und modernisierten es vielmehr. Ich sagte, »ausgehend von den herrschenden Klassen«: freilich gibt es kaum eine organisierte Gewalt von oben, die keine Massenunterstützung mobilisiert und aktiviert; die entscheidende Frage ist, im Namen und im Interesse welcher Gruppen und Institutionen wird solche Gewalt freigesetzt? Und die Antwort ist nicht notwendigerweise eine Antwort ex post: bei den soeben erwähnten geschichtlichen Beispielen ließ sich vorwegnehmen und wurde vorweggenommen, ob die Bewegung dazu dienen würde, die alte Ordnung zu stärken, oder dazu, eine neue herbeizuführen.

    Mit anderen Worten, so richtig geschichtsmächtig ist die Gewaltlosigkeit noch nicht geworden.

    By KurtMelnik on Feb 14, 2012

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