Shifting Baseline

29. August 2011 – 8:33

Fatalerweise erkennen Menschen weder die Veränderungen des Klimas noch des Sozialen. Ihre Sicht der Wirklichkeit verändert sich nämlich mit der Wirklichkeit. “Shifting baselines” nennen Umweltpsychologen das Phänomen, dass Menschen immer jenen Zustand für den “natürlichen” halten, der mit ihrer Lebens- und Erfahrungszeit zusammenfällt. Mit sich verschiebenden Referenzrahmen im Sozialen hat Welzer schon in seiner Studie über nationalsozialistische “Täter” aus dem Jahr 2005 versucht zu erklären, “wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden”. Noch 1933 wäre die Judenvernichtung unvorstellbar gewesen, atemberaubend wenige Jahre später war sie es nicht mehr. Die “gefühlten Probleme” des Klimawandels, prophezeit Welzer, werden Menschen zu radikalen Lösungen greifen lassen, an die sie zuvor nie gedacht hätten.

Der Sozialpsychologe listet keine künftigen Konflikte auf, er präsentiert die bisher eingetretenen Veränderungen des Sozialen so wie Naturwissenschaftler Messergebnisse. Die zweite Ebene seines Buches handelt von der Gewalt. Da Welzer, wie der polnische Philosoph Zygmunt Baumann, den Holocaust nicht für einen Betriebsunfall der Moderne, sondern für deren rationale Konsequenz hält, reflektiert er den bisher erreichten Standard der Gewaltanwendung an den Konflikten des 20. Jahrhunderts: an der nationalsozialistischen Judenvernichtung, am Völkermord an den Tutsi, den Kriegen und ethnischen Säuberungen in Jugoslawien, Darfur und Sudan. Mittlerweile sind zwischenstaatliche Kriege die Ausnahme. Es gibt Gewaltmärkte und Warlords, die mit Gewalt Geld verdienen und an deren Ende kein Interesse haben. (Quelle)

Oder so ähnlich auf SPON und als Vorlesung

Sorry, comments for this entry are closed at this time.