Aristoteles kennt keine Arbeit

3. November 2010 – 8:52

Der Herr wird mir richtig sympathisch. Otfried Höffe schreibt in seinem Buch “Aristoteles”:

Zu vielen Themen einer Handlungstheorie verdanken wir Aristoteles maßgebliche Analysen. Es fehlt jedoch der Begriff für eine der elementarsten menschlichen Tätigkeiten, die Arbeit. Das Defizit ist umso erstaunlicher, als Aristoteles die zuständigen Untersuchungen zur oikonomia als relativ selbständige Teile der politischen Philosophie behandelt. Zwar finden wir bei ihm schon Bausteine für den Arbeitsbegriff, so etwa das Moment des Herstellens (poiesis) und das Moment des Sich-Abmühens (ponein). Diese Momente werden aber nicht zusammengebracht und um das Moment der Umgestaltung der Natur zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung erweitert. Erklären läßt sich das Defizit, das generell auf die Antike zutrifft, mit einer aristokratischen Mußegesellschaft, in der nur die nichtökonomischen Tätigkeiten – Wissenschaft und Politik, Theater, Spiel, Sport und Kunst – zählen, während den typischen „Arbeitsberufen”, den Handwerkern und Tagelöhnern, sogar die Tugend abgesprochen wird.

Kann schon sein, dass an dem Aristokratieelement was dran ist. Aber  “Arbeit” hat in vielen Sprachen keine sonderlich ehrenvolle Sprachwurzel. Und vielen afrikanischen Sprachen fehlt dieses abstrakte Konstrukt vollständig. Da gibt es Verben für Feuermachen oder Holzhacken. Aber dieses “Ich gehe jetzt die Natur umgestalten zum Zwecke meiner Bedürfnisbefriedigung” gibt es einfach nicht. Wozu auch? Und überhaupt scheint mir diese Definition von Arbeit ziemlich schräg.

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