2 Arten von Spiritualität

12. September 2010 – 16:14

Ich hatte die Idee davon, dass es zwei Arten gibt, auf einem Sitzkissen zu meditieren zwar schonmal bei Rosenberg gefunden. Aber in dem Büclein “Gespräch von Gabriele Seils mit Marshall Rosenberg” kommt das Konzept noch deutlicher heraus:

Aggressiver Aktivismus ist also kontraproduktiv für das politische Handeln und friedliches In-sich-Kehren halten Sie für illusorisch. Was schlagen Sie stattdessen vor? Wie kann man erfolgreich gesellschaftliche Strukturen verändern?
Mir geht es darum, das Politische und das Spirituelle zu integrieren. Das heißt, wir handeln aus einer transformierenden Spiritualität heraus, wie Ken Wilber das nennt. Wilber unterscheidet zwischen einer transformativen und einer translativen Spiritualität. Translative Spiritualität nennt Wilber eine spirituelle Praxis, die dir dabei hilft, dir das Leben angenehmer zu machen. Du betest oder meditierst und lernst, Leid auszuhalten, das Leben wertzuschätzen und hinzunehmen, so wie es ist, aber daraus erwächst keine Energie, die die Welt verändern kann. Über Jahrhunderte hinweg war es die Rolle der Kirchen, den Menschen genau diese illusionäre Spiritualität einzuflößen, damit sie nicht gegen die Herrschaftsverhältnisse aufbegehren würden.
Im Gegensatz dazu steht die transformative Spiritualität. Sie bedeutet, dass wir erst an uns selber arbeiten, damit unsere politische Arbeit nicht aus der gleichen Energie heraus entsteht wie die Strukturen, die Gewalt hervorbringen. Wir brauchen ein anderes Bewusstsein, um etwas Positives bewirken zu können. Wenn wir diejenigen zu Feindbildern machen, die an der Spitze der Organisationen stehen, … , dann machen wir mit großer Wahrscheinlichkeit alles nur noch schlimmer. Aber die transformative Spiritualität gibt uns eine ganz andere Art von Energie. Es ist eine Energie, bei der wir die Liebe zum Leben, die wir in uns spüren, weitergeben und nach außen tragen.

  1. 2 Responses to “2 Arten von Spiritualität”

  2. Mit so Wörtern wie “transformative Spiritualität” kann ich nicht so viel anfangen. Aber der Gedanke, dass im politischen Handeln die eigene Liebe zum Leben weitergegeben wird, leuchtet mir ein – wenn “Liebe zum Leben” nicht Liebe zum eigenen Ego, womöglich noch zum eigenen materiellen Besitz bedeutet. Das heißt, politisches Handeln folgt nicht eigenen Überlegungen, für die die anderen Menschen nur abstrakte Größen sind (wie man beim Handeln unserer Politiker großenteils den Eindruck hat), sondern die Liebe zum Leben soll die Gemeinschaft erfassen. Verstehe ich das so richtig?

    By eule70 on Sep 17, 2010

  3. Ich denke schon, dass “die Liebe zum Leben soll die Gemeinschaft erfassen” in diese Richtung geht.
    Ich will trotzdem weiter ausholen. Die gewaltfreie Kommunikation ist mir zuerst in politischen Zusammenhängen begegnet, in Niederkaufungen mit ihrem Inselkommunismus wunderten sie sich, dass sie sich immer noch zofften, obwohl sie doch alle äußeren Bedingungen des kommunistischen Paradieses geschaffen hatten… Also begann ich Seminare zu besuchen und fand die Sache für mich sehr stimmig und brauchbar. Das Problem war nur im Gegensatz zu meinen zwei ersten Seminaren in Waltershausen und Halle spielten 2009 bei meinem Jahreskurs in Leipzig plötzlich Sitzkissen, Klangschalen und Kreistänze eine Rolle. Da waren plötzlich Leute dabei, die mit Reiki und Sakralchakren experimentierten, die laufend fasteten, Licht aßen und viel von Spiritualität sprachen. Das verunsicherte mich, ob ich mich wohl auf irgend so einen sinnlosen Psychoquark eingelassen hatte. Und ich bin in Leipzig bei diesen Leuten auch gewaltig angeeckt, als ich diesen Spruch von Rosenberg brachte:

    Ich habe Leute gesehen, die Buddhas Worte gehört und auf eine Art interpretiert haben, die sie zu einer übersetzenden Spiritualität geführt hat. Diese Menschen sind dann einfach nur nette, ruhige, ordentliche und meditierende Wesen, die hoffen, dass ihre gute Energie sich ausbreiten wird. Die Welt um sie herum besteht jedoch genauso fort, wie sie immer war. Ich denke, diese Art von Spiritualität lässt unsere Probleme nur weiter bestehen.

    Und es ist genau diese Sichtweise, die mich weiter mit der gewaltfreien Kommunikation experimentieren lässt, obwohl in deren Umfeld auch Leute unterwegs sind, die die Welt durch Meditation retten wollen.

    By KurtMelnik on Sep 19, 2010

Sorry, comments for this entry are closed at this time.