Das schwere Los der Eigenarbeit

22. Mai 2010 – 7:04

Bei Figaro gab es einen Mitschnitt eines Vortrags von Marianne Gronemeyer an den Franckeschen Stiftungen. Der Vortrag hat das Gütesiegel der krisis-Gruppe, da findet sich der Text in ähnlicher Form. Das heißt, selbst im öffentlich-rechtlichen Feuilleton kommt langsam die Erkenntnis an, dass was faul ist am protestantischen Arbeitsethos und dem unsäglichen “Endlich wieder Arbeit – Raus aus Hartz IV

Am meisten gefallen haben mir die Überlegungen zur Eigenarbeit:

In einem studentischen Projekt, das sich über zwei Semester erstreckte, sind wir intensiv der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten zur Eigentätigkeit und zur Minderung des Geldbedarfs es in den Bereichen Nahrung, Kleidung, Wohnung und Bildung in den modernen Gesellschaften gibt. Das deprimierende Ergebnis unserer Nachforschungen: Die konsumistische Gesellschaft hat die beiden in ihr favorisierten Existenzweisen, nämlich Warenproduktion und Warenkonsumtion, so totalisiert, dass beinah jede andere nicht von solcher Produktion und solchem Konsum beherrschte Tätigkeit erstorben ist. Nicht zuletzt dadurch, dass es schlichtweg kaum noch Eigenarbeit gibt, die ihren Einsatz lohnte. Jede Eigenarbeit wird durch Billigprodukte von vornherein ins Unrecht gesetzt oder entmutigt. … Es ist nicht mehr einfach, mit seiner Hände und seines Hirnes Arbeit etwas herzustellen, das nichts oder weniger kostet als das, was im Supermarkt der Billigangebote zu haben ist.

Das passt sehr schön zu meiner Beobachtung, dass es in so subkulturellen Zusammenhängen fast nur Kulturproduktion gibt: Musik, Malerei, Kunsthandwerk, vielleicht mal eine Vokü. Aber eben nur selten Schuhe, Klamotten, Nahrung, Bildung….

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